Biketuning – ein Begriff, über den man schon viel gelesen hat. Eigentlich ist das ganze Internet voll damit. Wir reden hier allerdings nicht davon, die elektronische Abriegelung eines Pedelecs zu umgehen – was zudem illegal wäre und für den Fahrer eines solchen Gefährts im öffentlichen Straßenverkehr zu jeder Menge Problemen führen kann. Vielleicht hat ja gerade jemand sein altes Mountainbike im Keller wiedergefunden und fragt sich, ob er daran etwas optimieren kann. Aber wozu überhaupt „Biketuning“? Im Regelfall natürlich, um schneller zu werden oder zumindest seine Kraft effizienter zu nutzen. Wer nicht unbedingt schneller werden möchte, will dafür vielleicht längere Strecken entspannter zurücklegen. Im Prinzip lässt sich fast immer ein Grund finden, etwas an seinem Fahrrad zu verbessern, weshalb das Thema auch so beliebt ist. Biketuning ist also für fast jeden begeisterten Velolenker und jede passionierte Hobbyfahrerin interessant.
Ja, also wie werde ich schneller oder effizienter? Beim Fahrrad handeln die Diskussionen in den meisten Fällen davon, an der Gewichtsschraube zu drehen. Eine Ausnahme bildet da wohl der Bereich Downhill. Hier ist das Gewicht des Fahrrads oft zu vernachlässigen, da Robustheit, Haltbarkeit und eine gute Dämpfung aufgrund der extremen Materialbelastung im Vordergrund stehen. Zudem dreht sich hier viel um die Verzögerung, sprich die Bremskraft. So ein Downhill-Bike wiegt gerne mal 20 Kilogramm oder mehr – ohne Motor wohlgemerkt. Auch beim sogenannten Freeride dreht sich das Biketuning nicht primär ums Gewicht.

Der wichtigste Faktor beim Fahrradfahren ist noch immer die Muskelkraft. Um möglichst wenig dieser entscheidenden Antriebskraft beim Pedalieren „zu verbrennen“ und dadurch die Effizienz zu steigern, versucht man, sein Gefährt zu tunen. Grundsätzlich ist es dabei erst einmal egal, ob es sich um ein Rennrad, ein Mountainbike, einen Crosser oder um ein Citybike handelt. Das Grundprinzip ist bei allen Fahrradarten das Gleiche. Beim Gewichtstuning muss man vor allem zwischen zwei Kategorien unterscheiden: den bewegten und den unbewegten Massen. Am effektivsten und deutlichsten spürbar sind grammsparende Maßnahmen an den bewegten Teilen, also in der Regel an den Laufrädern. Aber auch Faktoren wie Aerodynamik und Rollwiderstand haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie schnell man unterwegs ist. Sie sind nicht zu unterschätzen – denn je höher die gefahrene Geschwindigkeit ist, desto stärker dominiert zum Beispiel der Luftwiderstand.

Schauen wir uns also einmal die verschiedenen Bereiche an. Ich will hier allerdings keine Raketenwissenschaft betreiben und halte es deshalb so einfach wie möglich.
Muskelkraft. Der entscheidendste Faktor – vor allem beim unmotorisierten Fahrrad, auch wenn es sich nicht um „Biketuning“ im herkömmlichen Sinn handelt. Die antreibende Kraft kann durch Training, aber auch durch Ernährung und ausreichend Schlaf gesteigert werden. Eine effektive Maßnahme am Fahrer selbst und wohl die wichtigste, um schneller zu werden. Denn egal, wie leicht ein Fahrrad ist – treten muss man immer noch selbst.
Ergo-Tuning, sprich das Optimieren der Ergonomie auf dem Rad. Oft vernachlässigt, in den letzten Jahren jedoch verstärkt in den Fokus der breiten Öffentlichkeit geraten. Es ist das Bindeglied zwischen Fahrer oder Fahrerin und Maschine. Nur wer bequem, schmerzfrei und ergonomisch sitzt, wird seine körperliche Leistung optimal nutzen können. Im Profisport hat sich diese Art des Tunings deshalb schon seit langer Zeit etabliert. Da der richtige Sattel, Lenker oder die Rahmengeometrie sehr von individuellen Körpermaßen abhängig sind, bietet sich neben allgemeinen Richtwerten beispielsweise ein Bikefitting an.
Gewicht, unbewegte Masse. Betrifft alle „starren Teile“ am Fahrrad – quasi alles, was nicht rotiert: Rahmen, Gabel, Lenker oder Sattel beispielsweise. Aber auch das Gewicht des Fahrers selbst zählt hierzu. Ein oft überschätzter Faktor, vor allem wenn es um Geschwindigkeit in der Ebene geht. Am deutlichsten macht sich diese Art des Tunings an Steigungen bemerkbar. Fakt ist aber auch, dass sich ein leichtes Fahrrad einfach besser anfühlt. Aus Erfahrung kann ich sagen: Je leichter ein Bike ist, desto geiler fährt es sich im Normalfall. Das Ganze ist allerdings auch ziemlich schnell eine Belastung für den Geldbeutel. Leichtbau ist teuer.
Gewicht, bewegte oder rotierende Masse. Alles, was sich dreht. Hierzu zählen vor allem die Laufräder, aber auch Kurbel, Pedale und Teile des Antriebsstrangs. Gewicht an rotierenden Teilen ist in der Praxis oft „spürbarer“ als an starren Teilen – insbesondere dann, wenn man häufig beschleunigt (Anfahren, kurze Wellen, viele Tempowechsel). Dabei macht es auch einen Unterschied, wo das Gewicht sitzt: Masse am äußeren Rand (Felge/Reifen) wirkt sich stärker aus als Masse näher an der Nabe. Leichte Räder beschleunigen besser und benötigen weniger Kraft, um Tempoänderungen mitzunehmen.

Rollwiderstand. Er ist nicht zu unterschätzen – und lässt sich oft relativ günstig beeinflussen. Wichtig ist hier vor allem die Kombination aus Reifen, Schlauch (oder Tubeless) und Luftdruck. Wobei gerade beim Druck weniger oft mehr ist: Ein stark gepumpter Reifen, der bei jeder Unebenheit springt, ist unter Umständen langsamer als einer, der mit etwas weniger Bar sanfter darüber hinwegrollt. Was viele unterschätzen: Mit steigender Geschwindigkeit wird der Rollwiderstand nicht „weg“, aber der Luftwiderstand wird im Verhältnis immer wichtiger – deshalb wirkt Aero-Tuning ab einem gewissen Tempo stärker. Profil und Gummimischung sollten außerdem zum Einsatzgebiet passen.
Aerodynamik. Bei Rennrad-, Triathlon- oder Liegeradfahrern das Maß der Dinge, bei den anderen Fahrradarten oftmals vernachlässigt. Je höher die Geschwindigkeit, desto stärker steigt der Luftwiderstand an – grob ab etwa 25–30 km/h (je nach Sitzposition, Wind und Bike) wird er für viele zum größten Bremsklotz. Deshalb ist man hier bestrebt, ihn möglichst gering zu halten. Hier zählen hauptsächlich Dinge wie Sitzposition, Bekleidung des Fahrers, aber auch die Geometrie und die Anbauteile des Fahrrads selbst. Kurzum: alles, was windschnittig macht. Rasierte Beine gehören übrigens nicht dazu, aber damit werden wir uns an anderer Stelle befassen. Bei den bewegten Massen sind vor allem die Reifenbreite oder auch die Beschaffenheit der Speichen entscheidende Faktoren in Bezug auf Aerodynamik. Wer einmal eine längere Strecke gegen den Wind gefahren ist, dem wird spätestens hier bewusst geworden sein, wie kraftraubend die abbremsende Wirkung von Luft sein kann. Auch die Nachteile eines breiten Lenkers wird man da schnell bemerken.
Fahrwerkstuning. Vor allem wer schnell bergab oder generell im Gelände unterwegs sein möchte, wird um diesen Punkt nicht herumkommen. Es geht hauptsächlich darum, den optimalen Wirkungsgrad für Federgabeln, Dämpfer und Bereifung im jeweiligen Terrain zu finden. Ein gut abgestimmtes Fahrwerk verleiht dem Piloten nicht nur mehr Sicherheit, sondern macht auch definitiv schneller!
Motortuning bei Pedelecs und E-Bikes. Sehr effektiv, da Geschwindigkeiten von teils 50 km/h oder mehr ohne größere Anstrengungen auch von untrainierten Fahrern erreicht werden könnten. Zumeist jedoch illegal und gefährlich (und je nach Umbau mit massiven rechtlichen/versicherungstechnischen Folgen verbunden), weshalb das Thema hier nur am Rande erwähnt wird. Hier soll es um das klassische Tuning von Fahrrädern gehen.
Bremsentuning. Wer schnell fährt, der muss im Ernstfall auch schnell verzögern können. Deshalb spielen die Bremsen beim Thema Biketuning ebenfalls eine wichtige Rolle. Allerdings sollten sich gerade Anfänger und ungeübte Fahrer langsam herantasten, da sonst der unfreiwillige Abstieg über den Lenker vorprogrammiert sein kann.
Nun haben wir einmal besprochen, welche Möglichkeiten es gibt, um sich mit dem Fahrrad besser fortbewegen zu können. Natürlich sind die aufgeführten Bereiche oftmals gar nicht so klar voneinander abzugrenzen und können sich überschneiden. Dies soll nur ein erster, grober Überblick für Fahrradbegeisterte sein, die neu in das Thema einsteigen wollen – quasi fürs Volk eben. In weiteren Artikeln dieses Blogs werden wir uns eingehender mit den einzelnen Faktoren beschäftigen. Bis dahin wünsche ich allen eine gute, sichere und unfallfreie Fahrt!
Wie du dein Fahrrad mit einfachen und effektiven Maßnahmen für weniger als 100 Euro tunen kannst, erfährst du in diesem Artikel.
